Segelreise durch Polen, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden und Dänemark (Bornholm). 54 Fahrttage, 2356 sm, Reisedauer vom 10.5.2005 bis 19.8.2005. Jörn Heinrich, 2005 -
In dreieinhalb Monaten alle Ostseeanrainer außer Russland besuchen und nebenbei alle 80 Häfen im Baltikum und an der Finnischen Südküste abklappern für ein neues Küstenhandbuch - rein zeitlich ein schwieriges Vorhaben. Das ist eine Segelei, die schon an Masochismus grenzt, wie mir ein Seglerkollege bescheinigte. Nichts da Segel-Urlaub, schon vor dem Hafen beginnt die mühsame klein-klein-Arbeit: GPS-Koordinaten aufnehmen, neue Tonnen eintragen, Leuchtfeuerkennungen prüfen, Lotungen eintragen. Kaum die Leine an Land, geht es weiter: Hafenfotos, Museen und Sehenswürdigkeiten besuchen und fotografieren, Serviceeinrichtungen prüfen, etc, etc... alles aufschreiben. Bis wann ist der Supermarkt geöffnet? Dann auf die Molen und zum Richtfeuer, weitere GPS-Koordinaten aufnehmen. Am Besten gleich noch mit einheimischen Seglern einen informativen Schnack und die Wassertiefen im vorbereiteten Plan mit dem Hafenmeister abgleichen. Und wenn die Zeit und die Kondition noch bis zum nächsten Hafen reicht: Leinen los und weiter.
Essen? Zwischendurch. Schnellschnellschnell. Entspannung? Wenn Sturm ist. Dabei dann am liebsten im Hafen sein, um alles bis dahin gesammelte in den Laptop zu hämmern und die bestenfalls schon vorbereiteten Hafenpläne nachzukorrigieren. Bei Schwell im Hafen wird das Zeichnen der Hafenpläne am kleinen Laptop-Bildschirm mühsam, die Computer-Maus rutscht immer wieder weg. Routenänderung? Nix da. Wenn es gegenan geht, geht es eben gegenan. Sowieso immer hinter dem Zeitplan herfahren. Das ist dann schon Berufs-Segelei, wie sie ähnlich wohl auf den Handelsseglern früherer Jahre vor sich ging, nur dass das Ganze nicht auf 20 m sondern nur auf 7,60 m Schiffslänge stattfindet. Aber keine Klagen, es gib anstrengendere Jobs. Und man hat immer frische Luft - bis auf die Abstecher mit einem Leihwagen zu nahegelegenen Häfen, für deren Besuch mit dem eigenen Segelschiff entweder das Wetter völlig ungeeignet oder die Zeit nicht mehr ausreichend war.